Informationsblatt der
Blauen Gebetsoase

in Sievernich

 

April 2005

 

Nächstenliebe und Gottesliebe

Aus „Geheimnis der Gottesfreundschaft“ von Gabriele a S. Maria Magdalena O.C.D., Professor der Theologie an der Theologischen Fakultät der Unbeschuhten Karmeliten zu Rom

VERGEGENWÄRTIGUNG GOTTES

Lass mich verstehen, Herr, dass eine ehrliche Nächstenliebe das sicherste Zeichen ist für meine Liebe zu Dir!

BETRACHTUNG

1. Die für Gott lebende Seele möchte gerne sicher sein, dass ihre Liebe zu Ihm keine Täuschung ist. Was aber kann ihr diese Sicherheit geben? Die hl. Theresia von Jesus antwortet: „Obwohl es sehr viele Anzeichen gibt, um zu erkennen, ob wir Gott lieben, so können wir ihrer doch nie ganz sicher sein, ausgenommen das Zeichen unserer Liebe zum Nächsten. Seid überzeugt: je mehr ihr in der Nächstenliebe voranschreitet, um so mehr tut ihr es auch in der Liebe zu Gott“. Dies ist ein unbestreitbarer Beweis; denn es gibt ja nur eine einzige Tugend der Liebe, und während unsere Gottesliebe schwer zu kontrollieren ist, gibt es keine Täuschung hinsichtlich unserer Liebe zum Nächsten. Es bedarf tatsächlich keines großen Scharfsinnes, festzustellen, ob wir liebevoll, geduldig, nachsichtig, wohlwollend gegen die Brüder sind, und aus diesem unserem Verhalten gegen sie können wir das Maß unserer Gottesliebe erschließen.

Manchmal möchten wir uns einbilden, in der Gottesliebe vorangekommen zu sein auf Grund gewisser geistlicher Freuden, die wir im Gebete erfahren, oder gewisser ungestümer Wünsche, die in uns erwachen, so dass wir meinen, Gott zuliebe zu jedem Opfer bereit zu sein. Die hl. Theresia von Avila, eine feine Kennerin der Schlingen, in die eine Seele geraten kann, warnt davor: „Nein, Schwester, der Herr will Werke. Er will etwa, dass es dir nichts ausmacht, deine Andacht aufzugeben, um eine Kranke zu trösten, dass du, wenn nötig, fastest, damit sie zu essen habe; dies alles aber nicht so sehr um ihretwillen, sondern weil du weißt, dass es Gottes Wille ist“. Sieh, darin besteht die wahre Liebe. Eben in diesem Sinne konnte der heilige Evangelist Johannes sagen: „Wir wissen, dass wir vom Tode ins Leben versetzt sind, weil wir die Brüder lieben“ (1 Joh. 3, 14). Er sagt nicht, „weil wir Gott lieben“, sondern „weil wir die Brüder lieben“; weil eben die Bruderliebe das sicherste Anzeichen für eine wahre Gottesliebe ist.

2. Die hl. Theresia von Jesus schreibt: „Die Liebe des Herrn zu uns ist so groß, dass Er zum Lohn für unsere Nächstenliebe auch die Liebe, die wir zu Ihm hegen, auf tausend Weisen wachsen lässt. Und darüber besteht gar kein Zweifel“. Ein schönes und gültiges Zeugnis, das uns anspornt, die brüderliche Liebe mit Begeisterung zu üben. Wir ahnen, mit welchem Recht die Heilige sagen konnte: „Verstündet ihr, wie viel an dieser Tugend liegt, ihr würdet nach nichts anderem mehr streben“ (ebd.).

Eine Seele, die wahrhaft den Herrn liebt, wünscht nichts sehnlicher, als an Liebe zu Ihm zu wachsen; dies ist das unfehlbare Mittel: mit großem Eifer die brüderliche Liebe üben. Strebt eine Seele voll Eifer nach Gottvereinigung, so ist dies der königliche Weg dazu: Einigkeit mit den Brüdern. Wir müssen immer daran denken, dass die Tugend der Caritas eine erschaffene Teilnahme ist nicht nur an der unendlichen Liebe, mit der Gott sich selbst liebt, sondern auch an der unermesslichen Liebe, mit der Er Seine Geschöpfe liebt. Je mehr wir die Brüder lieben, um so tiefer gehen wir ein in den Liebesstrom, mit dem Gott alle Menschen umgibt, um so mehr nehmen wir teil an Seiner Haltung des Wohlwollens, der Güte, der unendlichen Liebe. Und eben auf diese Weise vereinigt uns die Bruderliebe mit Ihm, der wesenhaft Liebe ist: „Deus caritas est“, „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1 Joh. 4,16). Wenn wir es hingegen an brüderlicher Liebe fehlen lassen, so entfernen wir uns von Gott; wir entfernen uns von der Haltung unendlicher Liebe, was gleichbedeutend ist mit Entfernung und sogar Trennung von Ihm. Darum mahnt der Apostel: „Geliebteste, lieben wir einander; denn die Liebe ist aus Gott. Und wer liebt, ist aus Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, bleibt im Tode“ (1 Joh. 4, 7-8). So begreifen wir die von menschlicher Liebe so sehr verschiedene übernatürliche Nächstenliebe; weit davon entfernt, uns der Gottesliebe zu entfremden, wirft sie uns mit stets zunehmender Kraft in Gott hinein und vereinigt uns immer inniger mit Ihm.

ZWIESPRACHE

„Herr, das sicherste Zeichen, um zu erkennen, ob ich Dich wahrhaft liebe, ist die Prüfung, wie gut ich das Gebot der Nächstenliebe beobachte. Da dies höchst bedeutsam ist, muss ich mich also bis ins kleinste prüfen, ohne auf gewisse Gedanken zu achten, die mir manchmal während des innerlichen Gebetes gar reichlich kommen, als sei ich bereit, aus Nächstenliebe große Dinge zu unternehmen und zu leisten, um auch nur eine einzige Seele zu retten. Entsprechen meine Werke dem nicht, so habe ich kein Recht, dies ernstlich von mir zu glauben. Auch darf ich nicht meinen, zur Vereinigung mit Dir gelangt zu sein und Dich sehr zu lieben, wenn ich während des Gebetes Andacht und geistliche Wonnen empfinde. Um was ich bitte, ist dies, mir die Nächstenliebe in ihrer Vollkommenheit zu gewähren, dann überlasse ich alles Dir. Strenge ich mich meinerseits nach Möglichkeit an, sie zu erringen, zwinge ich meinen Willen, den andern in allem nachzugeben, auch zum eigenen Nachteil, vergesse ich trotz der widerstrebenden Natur meine Interessen, um nur auf die ihren zu achten, und nehme ich bei gegebener Gelegenheit jede Mühe auf mich, um sie den andern zu ersparen, so wirst Du mir sicher mehr gewähren, als ich zu ersehnen weiß Doch ich darf nicht meinen, dies werde mich nichts kosten und es sei alles schon geschehen. Und im übrigen, Herr: hat nicht auch Dich die Liebe zu uns viel gekostet? Um uns vom Tode zu befreien, hast Du den grausamsten Tod erlitten, den Tod am Kreuze“.

 Gebet der Kirche

Gott, Du hast unter den übrigen Engeln den Erzengel Gabriel auserlesen, dass er das Geheimnis Deiner Menschwerdung verkünde; da wir nun sein Fest auf Erden feiern, gewähre gnädig, dass wir auch seinen Schutz im Himmel erfahren.

Gebet zum Hl. Erzengel Gabriel

Heiliger Erzengel Gabriel! Du Engel der Menschwerdung, Du getreuer Bote Gottes, öffne unsere Ohren auch für die leisen Mahnungen und Lockrufe des liebenden Herzens unseres Herrn! Sei uns immer vor Augen, wir beschwören dich, dass wir das Wort Gottes recht verstehen, ihm nachgehen und gehorchen und das vollbringen, was Gott von uns will! Verhilf uns zu einer wachen Bereitschaft, dass uns der Herr, wenn Er kommt, nicht schlafend finde!

Gebet zum Erzengel Gabriel

Heiliger Erzengel Gabriel, als erster aller Engel durftest du in Nazaret Maria begrüßen. Im Auftrag des Vaters hast du Maria angefragt, ob sie bereit sei, die Mutter seines Sohnes zu werden. Du durftest das folgenreichste Wort vernehmen, das je ein Mensch gesprochen hat, das „Mir geschehe nach deinem Wort!“ der Jungfrau von Nazaret. Das „Nein“ Evas hat die Menschen durch den Cherubim aus dem Paradies vertrieben, durch das „Ja“ Mariens ist Jesus Mensch geworden und hat uns das Paradies neu erschlossen.

Wie hoheitsvoll waren deine Worte, mit denen du deine zukünftige Königin begrüßt hast: „Sei gegrüßt, du bist voll der Gnade, der Herr ist mit dir“ (Lk 1, 28). Unzählige Christen haben diesen deinen Gruß wiederholt und damit das prophetische Wort Mariens im Magnificat „Und es werden mich selig preisen alle Geschlechter“ (Lk 1, 48) wahr gemacht. Heiliger Erzengel Gabriel, lehre doch die Menschen wieder die wahre Andacht zu Maria, zeige ihnen, wer Maria ist, wie wir sie ehren und preisen sollen. Mache den Menschen bewusst, welche Gnade und welches Glück es für uns bedeutet, Maria als unsere Mutter und Königin lieben und anrufen zu dürfen.

Heiliger Erzengel Gabriel! Lehre uns den Willen Gottes freudig annehmen, als Knechte und Mägde des Herrn, wie es Maria getan hat. Du warst der erste Zeuge der Menschwerdung im Schoß der heiligen Jungfrau. Lehre die Menschen, das keimende Leben im Mutterschoß zu achten, dass sie keinen Frevel begehen am unfassbaren Wunder der Menschwerdung, bewahre unsere Mütter und Väter vor der großen Sünde unserer Zeit, der Abtreibung, dem neuen Kindermord von Bethlehem. Lass unsere Jungfrauen und Frauen die hohe Würde ihres Standes erkennen, dass sie im Geiste Mariens Christus im Herzen tragen und ihre Männer und Söhne heimführen zu Gott.

Aus einem Brief von Kardinal Meisner vom 9. März 2005 zu Sievernich, Aktenzeichen JR.-Nr.: 105 200 ) 87:

… Dankend bestätige ich den Eingang Ihres Briefes vom 19. Februar 2005 und des beigefügten Informationsmaterials. Wie Sie wissen, hatte ich an keinem der von Ihnen vorgelegten Gebete etwas auszusetzen; entsprechend ging ich ohnehin davon aus, dass Sie einer guten Intention folgen. Ihre Erläuterungen lassen mich nun die Zusammenhänge noch besser verstehen.

Mögen die Vorgänge in Sievernich dazu beitragen, dass die Menschen unserer Zeit tiefer aus der endgültigen Offenbarung Christi leben, wie es der Katechismus der Katholischen Kirche (n. 67) als Kriterium für echte Privatoffenbarungen fordert!

Mit meinen bischöflichen Segenswünschen zum bevorstehenden Osterfest

Ihr

Aus dem Katechismus der katholischen Kirche
zu Privatoffenbarungen

66 „Daher wird die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und nun endgültige Bund, niemals vorübergehen, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der glorreichen Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus“ (DV 4). Obwohl die Offenbarung abgeschlossen ist, ist ihr Inhalt nicht vollständig ausgeschöpft; es bleibt Sache des christlichen Glaubens, im Lauf der Jahrhunderte nach und nach ihre ganze Tragweite zu erfassen.

67 Im Laufe der Jahrhunderte gab es so genannte „Privatoffenbarungen“, von denen einige durch die kirchliche Autorität anerkannt wurden. Sie gehören jedoch nicht zum Glaubensgut. Sie sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi zu „vervollkommnen“ oder zu „vervollständigen“, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben. Unter der Leitung des Lehramtes der Kirche weiß der Glaubenssinn der Gläubigen zu unterscheiden und wahrzunehmen, was in solchen Offenbarungen ein echter Ruf Christi oder seiner Heiligen an die Kirche ist.

Der christliche Glaube kann keine „Offenbarungen“ annehmen, die vorgeben, die Offenbarung, die in Christus vollendet ist, zu übertreffen oder zu berichtigen, wie das bei gewissen nichtchristlichen Religionen und oft auch bei gewissen neueren Sekten der Fall ist, die auf solchen „Offenbarungen“ gründen.