Informationsblatt der Blauen Gebetsoase

in Sievernich

 August 2009

 

Geistlicher Impuls

Der Monat August zeichnet sich durch zentrale Hochfeste und Gedenktage wichtiger Heiliger unserer Kirche aus. Von diesen Festen wollen wir zwei genauer herausstellen, um durch sie in unseren Glaubensleben zu wachsen.

Gedanken zum 4. August: an diesem Tag feiert die Kirche den Hl. Johannes Maria Vianney, den Hl. Pfarrer von Ars (1786 – 1859). Gerade in diesem Jahr, in dem unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., seit Juni ein „Jahr der Priester“ ausgerufen hat, steht der Hl. Pfarrer von Ars als Vorbild nicht nur für die Priester, sondern für die ganze Kirche im Mittelpunkt, denn der Papst hat ihn zum Leitbild dieses Priesterjahres ausgewählt. Papst Benedikt XVI. schriebt: „Als er (der Hl. Pfarrer) nach Ars, einem kleinen Dorf mir 230 Einwohnern, kam, war er vom Bischof bereits vorgewarnt worden, dass er eine religiös prekäre Situation vorfinden werde: ‚Es gibt in dieser Pfarrei nicht viel Liebe zu Gott; Sie werden sie dort einführen.‘ “ Johannes Maria Vianney war sich also einer äußerst schweren Situation bewusst und entschloss sich dennoch, in dieser – nicht selbst ausgesuchten Pfarrei – die Liebe Jesu Christi durch sein Wort und Beispiel zu den Menschen zu bringen. „Mein Gott, gewähre mir die Bekehrung meiner Pfarrei, ich will dafür alles erleiden, was ihr wollt, mein ganzes Leben lang!“- das war sein persönliches „Missionsgebet“; und wir wissen alle, mit welch ungeheuerlichem Krafteinsatz der Hl. Pfarrer von Ars den Seelen nachging. Neben den außergewöhnlich langen Zeiten, die er freihielt, um den Menschen von Ars und den zahlreichen Pilgern von außerhalb die Beichte zu spenden, war der Hl. Pfarrer von Ars auch ein Priester für den die Eucharistie absolut zentral war. Es steht fest, so Papst Benedikt XVI., dass der Pfarrer von Ars seine Pfarrmitglieder „vor allem mit dem Zeugnis seines Lebens belehrte. Durch sein Vorbild lernten die Gläubigen zu beten und für einen Besuch beim eucharistischen Jesus gern vor dem Tabernakel zu verharren.“ Hierzu sagte der Hl. Pfarrer von Ars folgendes in schlichten Worten: „Man weiß, dass Jesus dort ist, im heiligen Tabernakel: Öffnen wir ihm unser Herz, freuen wir uns über seine heilige Gegenwart. Das ist das beste Gebet.“ Und weiter ermutigte er die ihm anvertrauten Gläubigen: „Kommt zur Kommunion, meine Brüder, kommt zu Jesus. Kommt, um von ihm zu leben, damit ihr mit ihm leben könnt … Es stimmt, dass ihr dessen nicht würdig seid, aber ihr habt es nötig!“

Es gäbe noch vieles andere vom Hl. Pfarrer von Ars zu erwähnen. Gut ist, die oben aufgeführten Punkte noch genauer anzuschauen.

- Wir alle, die wir nach Sievernich kommen, leben teilweise in Sievernich selbst oder aber kommen aus anderen Pfarrgemeinden des weiteren oder ferneren Umfelds. Diese Pfarrei, in der wir wohnen und in der wir vielleicht auch tätig sind, haben wir uns i.d.R. nicht ausgesucht; sie war ja schon vor unserem Hinzug dort. Und da ist es vermutlich so, dass wir dort sehr viel Schönes wahrnehmen, aber vielleicht auch Dunkles; gerade vielleicht auch die schmerzhafte Realität, dass vielen Menschen dort – aus verschiedenen Gründen – der Glaube und die Kirche oftmals sehr gleichgültig geworden sind. Das ist ein wirklicher Schmerz! Und diesen Schmerz empfindet man gerade am meisten, wenn man selbst erfahren hat, dass der Glaube etwas so Bereicherndes und Schönes für einen selber ist.

- Geistlich gesehen steht – im Zusammenhang mit dem Hl. Pfarrer von Ars - folgende Frage im Raum: Wäre es nicht denkbar, dass wir - genauso wie der Pfarrer von Ars – beginnen, für die Bekehrung unserer Pfarreien zu beten? Jeder von uns könnte sozusagen eine „Gebetspatenschaft“ für seine Pfarrei übernehmen. Gedacht ist daran, täglich ganz bewusst die eigene Pfarrei, alle die dort Verantwortung tragen, aber auch alle Menschen, die dort wohnen, in das Gebet mit einzuschließen. Das ist noch keine große neue Aktion, aber der stille Beginn, und zwar im tiefen Vertrauen, dass Gott unendlich viele andere Möglichkeiten und Wege kennt, Menschen zu erreichen. Und vielleicht gibt es dann auch plötzlich für uns irgendeine Anfrage, in der Pfarrei mitzuwirken, wie z.B. im oft unscheinbar erscheinenden caritativen Bereich. Unsere Pfarreien sind in vieler Hinsicht „Missionspfarreien“ geworden; Orte, wo der lebendige Gott oftmals nicht mehr im Bewusstsein und in den Herzen der Menschen ist. Wenn der Wunsch der Gottesmutter es ist, dass in Sievernich ein „Geistliches Zentrum“ entsteht, dann können wir alle schon heute (!), in der Zeit, wo sich dieses Zentrum erst in den Anfängen zeigt, damit beginnen. „Geistliches Zentrum“ meint ja auch, dass ich immer und immer wieder nach Sievernich kommen kann, um hier von Gott neue Kraft zu empfangen. Allein das Wort „Zentrum“ beinhaltet schon, dass es etwas „außen herum“ gibt. Und das sind unsere Familien, unsere Arbeitsorte und auch unsere Pfarrgemeinden. Ich muss dort nicht auftreten und groß sagen, wovon her ich meine Kraft erhalte, um dort etwas „Geistliches“ zu säen, aber, wenn ich dort anfange und die Liebe Gottes weitergebe, dann ist das sehr gut! Die meisten von uns sind keine geweihten Priester. Aber die meisten von uns sind getauft und gefirmt. Und das bedeutet, wie das II. Vatikanum es sagt, dass wir die Berufung zum „gemeinsamem Priestertum“ (Lumen Gentium, Nr. 10) voll und ganz leben sollen; dies natürlich nur in Einheit mit dem spezifischen Priestertum des Dienstes, dem hierarchischen, an die Weihe gebundenen Priestertum, das sich wesensmäßig vom „allgemeinen Priestertum“ unterscheidet. Aber im Sinne des „gemeinsamen Priestertums“ „priesterlich“ zu leben könnte konkret bedeuten, gerade auch meine Wohnpfarrei im Gebet vor Gott zu bringen und unser ganzes Leben, alle unsere Begabungen und Fähigkeiten Gott zu schenken. Jeder von uns hat so vieles zu geben! Wenn wir in der Liebe bleiben, die Liebe zu Gott und zum Nächsten an die erste Stelle setzen, dann wird unser Leben ein Leben der Hingabe werden, und das ist etwas zutiefst “Priesterliches“.

- Möge der Hl. Pfarrer von Ars uns allen ein leuchtendes Vorbild sein, möge seine mächtige Fürsprache alle unsere Priester und Bischöfe immer wieder zu Jesus Christus, zu seinem, für alle Menschen geöffneten Herzen zurückführen; und möge der Herr selbst auch unsere Herzen immer wieder verwandeln, dass wir die materielle und seelische Not unserer Mitmenschen sehen und wir uns ihnen nicht verschließen.

Gedanken zum 15. August: Es ist bekannt , dass das Hochfest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ offiziell erst 1950 unter Papst Pius XII. eingeführt wurde. Die ganze Welt brauchte damals nach der furchtbaren Katastrophe des 2.Weltkrieges im Glauben eine Stärkung, indem der Kirche und der Menschheit durch das Festgeheimnis der Aufnahme Marias in den Himmel eine unzerstörbare Hoffnung geschenkt wurde. In ihrer Aufnahme mit Leib und Seele in den Himmel, ist der ganzen Kirche die Hoffnung geschenkt, dass wir alle auch eines Tages einmal wie Maria eingehen werden in die Herrlichkeit des Himmels. Schauen wir auf das Tagesgebet dieses Hochfestes: „Allmächtiger, ewiger Gott, du hast die selige Jungfrau Maria, die uns Christus geboren hat, vor aller Sünde bewahrt und sie mit Leib und Seele zur Herrlichkeit des Himmels erhoben. Gib, dass wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner Herrlichkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus.“

Gibt es in dieser Welt eine größere Hoffnung, einen größeren Trost als diese?

Einmal hat ein Priester folgendes ganz schlicht gesagt: „Wir haben als Christen zwei Leben geschenkt bekommen. Das hier auf Erden und noch ein zweites.“ Das soll natürlich nicht bedeuten, dass das “erste Leben“ unwichtig wäre; und dass wir uns mit bestimmten Dingen einfach resignativ abfinden. Aber der Glaube an das ewige Leben, bedeutet auch, dass ich nicht alles in dieses kurze und begrenzte Leben „hinein stopfen“ muss. Maria lädt uns ein, jeden Tag Zeit und v.a. das Herz frei zu halten für Gott. Er allein ist das eigentliche Ziel unseres Lebens; er ist die Heimat, die wir alle letztlich suchen. Ein Lied, das in Anlehnung an den Text der Geheimen Offenbarung verfasst wurde, beschreibt das mit folgenden Worten:

Refrain: Unsere wahre Heimat ist im Himmel, und wir werden die Braut des Lammes sehn. Sie strahlt im Glanz der Herrlichkeit des Herrn: das himmlische Jerusalem!

1 Und ihre Leuchte wird das Lamm sein. Die Sonne braucht die Stadt dann nicht mehr. Und es bricht keine Nacht mehr herein, denn Gottes Herrlichkeit leuchtet ihr.

2 Und Gott wird Wohnung nehmen bei uns, Die Tränen trocknen, die du noch weinst. Klage und Leid werden nicht mehr sein. Was früher war, das ist nun vergangen.

3 Und siehe da, es kommt unser Heil, Herrschaft und Macht sind nun bei unserm Gott. Jubelt, ihr Himmel, und freuet euch! Gott herrscht in Zeit und Ewigkeit.


Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns!

Gebetsanliegen

Im Monat August sind wir eingeladen - auf die Fürsprache des Hl. Pfarrer von Ars -, ganz besonders für unseren Hl. Vater, alle Bischöfe, Priester und Diakone zu beten, besonders für diejenigen unter ihnen, die verfolgt werden und die in seelische Not geraten sind. Beten wollen wir auch für die geistliche Erneuerung unserer Pfarrgemeinden: dass es hier und dort neue Aufbrüche im Glauben gibt. Eingeladen sind alle, täglich ein Gesätz des Rosenkranzes mit dem Einschub „Jesus, den du, o Jungfrau, in Bethlehem geboren hast“ zu beten.