Informationsblatt der Blauen Gebetsoase
in Sievernich
Geistlicher Impuls
Der Monat August zeichnet sich durch zentrale Hochfeste und Gedenktage wichtiger Heiliger unserer Kirche aus. Von diesen Festen wollen wir zwei genauer herausstellen, um durch sie in unseren Glaubensleben zu wachsen.
Gedanken zum 4. August: an diesem Tag feiert die Kirche den Hl. Johannes Maria Vianney, den Hl. Pfarrer von Ars (1786 – 1859). Gerade in diesem Jahr, in dem unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., seit Juni ein „Jahr der Priester“ ausgerufen hat, steht der Hl. Pfarrer von Ars als Vorbild nicht nur für die Priester, sondern für die ganze Kirche im Mittelpunkt, denn der Papst hat ihn zum Leitbild dieses Priesterjahres ausgewählt. Papst Benedikt XVI. schriebt: „Als er (der Hl. Pfarrer) nach Ars, einem kleinen Dorf mir 230 Einwohnern, kam, war er vom Bischof bereits vorgewarnt worden, dass er eine religiös prekäre Situation vorfinden werde: ‚Es gibt in dieser Pfarrei nicht viel Liebe zu Gott; Sie werden sie dort einführen.‘ “ Johannes Maria Vianney war sich also einer äußerst schweren Situation bewusst und entschloss sich dennoch, in dieser – nicht selbst ausgesuchten Pfarrei – die Liebe Jesu Christi durch sein Wort und Beispiel zu den Menschen zu bringen. „Mein Gott, gewähre mir die Bekehrung meiner Pfarrei, ich will dafür alles erleiden, was ihr wollt, mein ganzes Leben lang!“- das war sein persönliches „Missionsgebet“; und wir wissen alle, mit welch ungeheuerlichem Krafteinsatz der Hl. Pfarrer von Ars den Seelen nachging. Neben den außergewöhnlich langen Zeiten, die er freihielt, um den Menschen von Ars und den zahlreichen Pilgern von außerhalb die Beichte zu spenden, war der Hl. Pfarrer von Ars auch ein Priester für den die Eucharistie absolut zentral war. Es steht fest, so Papst Benedikt XVI., dass der Pfarrer von Ars seine Pfarrmitglieder „vor allem mit dem Zeugnis seines Lebens belehrte. Durch sein Vorbild lernten die Gläubigen zu beten und für einen Besuch beim eucharistischen Jesus gern vor dem Tabernakel zu verharren.“ Hierzu sagte der Hl. Pfarrer von Ars folgendes in schlichten Worten: „Man weiß, dass Jesus dort ist, im heiligen Tabernakel: Öffnen wir ihm unser Herz, freuen wir uns über seine heilige Gegenwart. Das ist das beste Gebet.“ Und weiter ermutigte er die ihm anvertrauten Gläubigen: „Kommt zur Kommunion, meine Brüder, kommt zu Jesus. Kommt, um von ihm zu leben, damit ihr mit ihm leben könnt … Es stimmt, dass ihr dessen nicht würdig seid, aber ihr habt es nötig!“
Es gäbe noch vieles andere vom Hl. Pfarrer von Ars zu erwähnen. Gut ist, die oben aufgeführten Punkte noch genauer anzuschauen.
- Wir alle, die wir nach Sievernich kommen, leben teilweise
in Sievernich selbst oder aber kommen aus
anderen Pfarrgemeinden des weiteren oder ferneren
Umfelds. Diese Pfarrei, in der wir wohnen und in der
wir vielleicht auch tätig sind, haben wir uns i.d.R. nicht
ausgesucht; sie war ja schon vor unserem Hinzug dort.
Und da ist es vermutlich so, dass wir dort sehr viel
Schönes wahrnehmen, aber vielleicht auch Dunkles;
gerade vielleicht auch die schmerzhafte Realität, dass
vielen Menschen dort – aus verschiedenen Gründen –
der Glaube und die Kirche oftmals sehr gleichgültig
geworden sind. Das ist ein wirklicher Schmerz! Und
diesen Schmerz empfindet man gerade am meisten,
wenn man selbst erfahren hat, dass der Glaube etwas
so Bereicherndes und Schönes für einen selber ist.
- Geistlich gesehen steht – im Zusammenhang mit dem
Hl. Pfarrer von Ars - folgende Frage im Raum: Wäre es
nicht denkbar, dass wir - genauso wie der Pfarrer von
Ars – beginnen, für die Bekehrung unserer Pfarreien zu
beten? Jeder von uns könnte sozusagen eine „Gebetspatenschaft“
für seine Pfarrei übernehmen. Gedacht
ist daran, täglich ganz bewusst die eigene Pfarrei,
alle die dort Verantwortung tragen, aber auch alle
Menschen, die dort wohnen, in das Gebet mit einzuschließen.
Das ist noch keine große neue Aktion, aber
der stille Beginn, und zwar im tiefen Vertrauen, dass
Gott unendlich viele andere Möglichkeiten und Wege
kennt, Menschen zu erreichen. Und vielleicht gibt es
dann auch plötzlich für uns irgendeine Anfrage, in der
Pfarrei mitzuwirken, wie z.B. im oft unscheinbar erscheinenden
caritativen Bereich. Unsere Pfarreien
sind in vieler Hinsicht „Missionspfarreien“ geworden;
Orte, wo der lebendige Gott oftmals nicht mehr im
Bewusstsein und in den Herzen der Menschen ist.
Wenn der Wunsch der Gottesmutter es ist, dass in
Sievernich ein „Geistliches Zentrum“ entsteht, dann
können wir alle schon heute (!), in der Zeit, wo sich
dieses Zentrum erst in den Anfängen zeigt, damit beginnen.
„Geistliches Zentrum“ meint ja auch, dass ich
immer und immer wieder nach Sievernich kommen
kann, um hier von Gott neue Kraft zu empfangen.
Allein das Wort „Zentrum“ beinhaltet schon, dass es
etwas „außen herum“ gibt. Und das sind unsere Familien,
unsere Arbeitsorte und auch unsere Pfarrgemeinden.
Ich muss dort nicht auftreten und groß sagen,
wovon her ich meine Kraft erhalte, um dort etwas
„Geistliches“ zu säen, aber, wenn ich dort anfange und
die Liebe Gottes weitergebe, dann ist das sehr gut!
Die meisten von uns sind keine geweihten Priester.
Aber die meisten von uns sind getauft und gefirmt.
Und das bedeutet, wie das II. Vatikanum es sagt, dass
wir die Berufung zum „gemeinsamem Priestertum“
(Lumen Gentium, Nr. 10) voll und ganz leben sollen;
dies natürlich nur in Einheit mit dem spezifischen
Priestertum des Dienstes, dem hierarchischen, an die
Weihe gebundenen Priestertum, das sich wesensmäßig
vom „allgemeinen Priestertum“ unterscheidet. Aber
im Sinne des „gemeinsamen Priestertums“ „priesterlich“
zu leben könnte konkret bedeuten, gerade auch
meine Wohnpfarrei im Gebet vor Gott zu bringen und
unser ganzes Leben, alle unsere Begabungen und
Fähigkeiten Gott zu schenken. Jeder von uns hat so
vieles zu geben! Wenn wir in der Liebe bleiben, die
Liebe zu Gott und zum Nächsten an die erste Stelle
setzen, dann wird unser Leben ein Leben der Hingabe
werden, und das ist etwas zutiefst “Priesterliches“.
- Möge der Hl. Pfarrer von Ars uns allen ein leuchtendes
Vorbild sein, möge seine mächtige Fürsprache
alle unsere Priester und Bischöfe immer wieder zu
Jesus Christus, zu seinem, für alle Menschen geöffneten
Herzen zurückführen; und möge der Herr
selbst auch unsere Herzen immer wieder verwandeln,
dass wir die materielle und seelische Not unserer
Mitmenschen sehen und wir uns ihnen nicht verschließen.
Gedanken zum 15. August: Es ist bekannt , dass
das Hochfest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ offiziell
erst 1950 unter Papst Pius XII. eingeführt wurde.
Die ganze Welt brauchte damals nach der furchtbaren
Katastrophe des 2.Weltkrieges im Glauben eine
Stärkung, indem der Kirche und der Menschheit
durch das Festgeheimnis der Aufnahme Marias in
den Himmel eine unzerstörbare Hoffnung geschenkt
wurde. In ihrer Aufnahme mit Leib und Seele in den
Himmel, ist der ganzen Kirche die Hoffnung geschenkt,
dass wir alle auch eines Tages einmal wie
Maria eingehen werden in die Herrlichkeit des Himmels.
Schauen wir auf das Tagesgebet dieses Hochfestes:
„Allmächtiger, ewiger Gott, du hast die selige
Jungfrau Maria, die uns Christus geboren hat, vor
aller Sünde bewahrt und sie mit Leib und Seele zur
Herrlichkeit des Himmels erhoben. Gib, dass wir auf
dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen
und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner
Herrlichkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus.“
Gibt es in dieser Welt eine größere Hoffnung, einen
größeren Trost als diese?
Einmal hat ein Priester folgendes ganz schlicht gesagt:
„Wir haben als Christen zwei Leben geschenkt
bekommen. Das hier auf Erden und noch ein zweites.“
Das soll natürlich nicht bedeuten, dass das “erste
Leben“ unwichtig wäre; und dass wir uns mit bestimmten
Dingen einfach resignativ abfinden. Aber
der Glaube an das ewige Leben, bedeutet auch, dass
ich nicht alles in dieses kurze und begrenzte Leben
„hinein stopfen“ muss. Maria lädt uns ein, jeden Tag
Zeit und v.a. das Herz frei zu halten für Gott. Er allein
ist das eigentliche Ziel unseres Lebens; er ist die
Heimat, die wir alle letztlich suchen. Ein Lied, das in
Anlehnung an den Text der Geheimen Offenbarung
verfasst wurde, beschreibt das mit folgenden Worten:
Refrain: Unsere wahre Heimat ist im Himmel,
und wir werden die Braut des Lammes sehn.
Sie strahlt im Glanz der Herrlichkeit des Herrn:
das himmlische Jerusalem!
1 Und ihre Leuchte wird das Lamm sein.
Die Sonne braucht die Stadt dann nicht mehr.
Und es bricht keine Nacht mehr herein,
denn Gottes Herrlichkeit leuchtet ihr.
2 Und Gott wird Wohnung nehmen bei uns,
Die Tränen trocknen, die du noch weinst.
Klage und Leid werden nicht mehr sein.
Was früher war, das ist nun vergangen.
3 Und siehe da, es kommt unser Heil,
Herrschaft und Macht sind nun bei unserm Gott.
Jubelt, ihr Himmel, und freuet euch!
Gott herrscht in Zeit und Ewigkeit.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns!
Gebetsanliegen
Im Monat August sind wir eingeladen - auf die Fürsprache des Hl. Pfarrer von Ars -, ganz besonders für unseren Hl. Vater, alle Bischöfe, Priester und Diakone zu beten, besonders für diejenigen unter ihnen, die verfolgt werden und die in seelische Not geraten sind. Beten wollen wir auch für die geistliche Erneuerung unserer Pfarrgemeinden: dass es hier und dort neue Aufbrüche im Glauben gibt. Eingeladen sind alle, täglich ein Gesätz des Rosenkranzes mit dem Einschub „Jesus, den du, o Jungfrau, in Bethlehem geboren hast“ zu beten.