Informationsblatt der Blauen Gebetsoase Sievernich
September 2006

Predigt zum Fest des Apostel Thomas,
gehalten am 3. Juli 2006 in Sievernich

von Pfarrer Aumüller, Kerpen

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Der neue Personalausweis, der zukünftig ja mit besonderen biometrischen Daten versehen sein soll, ist in aller Munde. Die Vorteile dieses neuen Ausweises liegen auf der Hand: computergefertigt, in Plastik eingeschweißt und angeblich fälschungssicherer denn je.

Was im Deutschen „Personalausweis“ heißt, wird im Englischen „identity card“ bezeichnet. Diese Bezeichnung verdeutlicht besser als im Deutschen, wozu der Ausweis dienen soll: Er soll Auskunft geben über die Identität des Besitzers.

Im Personalausweis, der Identitätskarte, stehen Angaben, die einen jeden von uns eindeutig identifizieren. Jeder Staatsbürger muss sich jederzeit auf Verlangen ausweisen können.

Dieses Bewusstsein, sich jederzeit zweifelsfrei ausweisen zu können, kann man auch in Analogie dem Apostel Thomas zusprechen, der uns im heutigen Evangelium begegnet: Jeder muss sich jederzeit ausweisen können! Das gilt für alle Lebenden, und muss das nicht erst recht für jemanden wie Jesus gelten, der eigentlich amtlich tot ist und ordnungsgemäß bestattet wurde? Muss sich nicht erst recht jemand ausweisen, der behauptet, die Grenze zwischen Leben und Tod überschritten zu haben? Aus Ungarn, Frankreich oder Spanien kann man heutzutage vielleicht ohne Ausweis nach Deutschland zurückkehren. Vom Tod ins Leben geht das nicht ohne Personalausweis, ohne einen persönlichen Ausweis und Nachweis der eigenen österlichen Identität.

Darum steht Thomas stellvertretend für alle, die in diesem besonderen Fall für eine ganz genaue Kontrolle eintreten. Er fordert einen klaren Beweis; einen unzweifelhaften Ausweis der Identität Jesu.

Und ich denke, wir sollten ihn nicht vorschnell einen „Ungläubigen“ schelten, sondern dürfen ihm sogar dankbar dafür sein, dass es im Kreis der Jünger wenigstens einen gegeben hat, der es ganz genau wissen wollte.

Thomas möchte sich nicht vorschnell und ungeprüft zu einem fatalen Irrglauben verleiten lassen. Vielmehr möchte er kontrollieren, ob der, von dem die anderen Apostel aufgeregt berichten, wirklich der HERR ist. Sein Freund Jesus, den er mit eigenen Augen auf qualvolle Weise hat leiden und sterben sehen.

Wer könnte nicht mit und wie Thomas fühlen? Wer könnte, angesichts der erschütternden Bilder, die uns tagtäglich durch Zeitungen und Fernsehen in unseren Häusern erreichen, schnell und problemlos von der Auferstehung reden? Wer wäre leichtfertig fähig, unkontrolliert vom Leben zu sprechen, wenn um uns herum tödlicher Terror und staatlich geduldete Abtreibungen unschuldige Menschen bedrohen? Wer kann fraglos zur Ostertagsordnung übergehen, wenn für so viele ungezählte Menschen auf der Welt Karfreitag ist?

Wem, wie Thomas, noch der tödliche Schrecken des Karfreitags in den Knochen steckt, wer von Leid, Krankheit und Tod bis ins Mark getroffen ist, der kann nicht ohne einen gültigen Ausweis der österlichen Identität an Jesus, den Auferstandenen, glauben.

Thomas spürt das, und steht damit als Gewährsmann für so viele Schwestern und Brüder bis in unsere Tage, die sich nicht mit einem Glauben zu verbilligten Preisen begnügen möchte. Jesus wiederum spürt die innere Zerrissenheit des Thomas, und ruft ihn zu Sich, wobei Er Sich als meisterhafter Pädagoge erweist.

Er hält ihm keine Predigt, sondern Seine Wunden entgegen. Der Auferstandene wird an den Wunden erkannt, die Ihm die Menschen geschlagen haben. Der Auferstandene zeigt Sich nicht als unverwundbarer Held, als allherrschender Pantokrator, sondern als ein Gott-Mensch, der verwundbar ist und Sich aus Liebe verwunden lässt. Die Wundmale Jesu sind das österliche Visum Christi, sie sind gleichsam der Personalausweis Seiner verherrlichten Identität.

Nur weil Jesus ihm die Realitäten Seines geopferten Lebens, die Wunden, zeigt, erkennt Ihn Thomas. Thomas darf im tiefsten Sinne des Wortes die Finger in die Wunden legen. So kommt er in Kontakt mit den Wunden am Leib Jesu, aber ebenso mit den Wunden seiner eigen Glaubenszweifel.

Die Wundmale Jesu verdeutlichen ihm unzweideutig: Der Auferstandene und der Gekreuzigte sind ein und dieselbe Person. Wahrer Mensch und wahrer Gott!

Indem Jesus Thomas Seine liebende Verwundbarkeit zeigt, wird Sein Ausweis fälschungssicher. Deshalb kann Thomas sein persönliches, bewusstes und zweifelsfreies Glaubensbekenntnis sprechen: „Mein Herr und mein Gott.“

Zugegeben, so intensiv wie Thomas im heutigen Evangelium erfahren wir die Begegnung mit Jesus nicht an jedem Sonntag. Somit ist uns das Problem des angeblich „ungläubigen“ Thomas gar nicht so fremd. Auch wir tun uns nicht selten schwer, uns auf die Begegnung mit Jesus im gläubigen, zweifelsfreien Vertrauen einzulassen.

Wenn wir heutigen Christen auch nicht die Gnade haben, die Wunden Jesu mit eigenen Augen zu sehen, so können wir Ihn jedoch an jedem Sonntag sakramental am Brotbrechen erkennen wie die Emmausjünger. Das feiern wir bis auf den heutigen Tag. Fürwahr, nicht jeder Sonntagskirchgang ist ein Emmausgang, nicht jedes Messopfer eine Thomasstunde. Das lässt unser fragiles Mensch- und Christsein zumeist nicht zu.

Was also ist unser „unveränderliches Kennzeichen“ als Christen, das besondere Merkmal unserer österlichen Identität? Wir feiern jetzt gemeinsam Eucharistie. Wir brechen das Brot. Wir begegnen dem auferstandenen Herrn, wenn auch in Seiner wahren Größe unseren Augen verborgen. Jesus weiß genau um unsere kleinen und größeren Glaubenszweifel; auch uns tritt Er in dieser Stunde wie dem Thomas entgegen und sagt uns: Streck deinen Finger aus - hier sind Meine Hände.

Unserem schwankenden und je und je angefochtenen Glauben hält Er tröstlich entgegen: „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“

Gebe Gott, dass auch wir, indem wir unsere eigenen Verwundungen erkennen und annehmen, immer bewusster und wie einst Thomas bekennen können: „Mein Herr und mein Gott!“

 

Weiheakt der Hl. Thérèse  von Lisieux
an die barmherzige Liebe Gottes

Am 09. Juni 1895 - während der Dreifaltigkeitsmesse - fühlte sich die hl. Thérèse von Lisieux angetrieben, sich als „Ganz-Brandopfer der barmherzigen Liebe“ (und nicht der Gerechtigkeit Gottes, wie zu ihrer Zeit üblich) zu schenken, da sie die Abgründe der Barmherzigkeit entdeckt hatte, die sich über den Kleinen, den Armen, den Elenden nieder senkt. Sie erreichte hier einen Höhepunkt ihres geistlichen Lebens. Sie schlug diesen Akt der vollständigen Hingabe an die barmherzigen Liebe des himmlischen Vaters ihren Schwestern und ihren Novizinnen vor. Die Kirche schlägt ihn allen Getauften vor.

 

Weihe meiner selbst als Ganz-Brandopfer
an die barmherzige Liebe des lieben Gottes

 

O mein Gott! Glückselige Dreifaltigkeit, ich verlange danach, Dich zu lieben und dahin zu wirken, dass Du geliebt wirst, an der Verherrlichung der Heiligen Kirche zu arbeiten, indem ich die Seelen rette, die auf Erden sind und jene befreie, die im Fegefeuer leiden. Ich verlange danach, heilig zu werden, aber ich fühle meine Ohnmacht und ich bitte Dich, o mein Gott, sei Du selbst meine Heiligkeit.

Da Du mich so sehr geliebt hast, dass Du mir Deinen einzigen Sohn gabst, auf dass Er mein Erlöser und mein Bräutigam sei, so sind auch die unendlichen Schätze Seiner Verdienste mein. Freudig bringe ich sie Dir dar und flehe Dich an, nicht anders auf mich zu schauen als durch das Antlitz Jesu hindurch und in Seinem von Liebe brennenden Herzen.

Ich bringe Dir ferner dar alle Verdienste der Heiligen, derer im Himmel und derer auf Erden, ihre Liebesakte und die der heiligen Engel. Endlich biete ich Dir an, o glückselige Dreifaltigkeit, die Liebe und die Verdienste der Heiligen Jungfrau, meiner geliebten Mutter. Ihr überlasse ich meine Opfergabe mit der Bitte, sie Dir vorzustellen. Ihr göttlicher Sohn, mein viel geliebter Bräutigam, hat uns in den Tage Seines sterblichen Lebens gesagt: „Alles, worum ihr Meinen Vater in Meinem Namen bitten werdet, das wird Er euch geben!“ So bin ich gewiss, dass Du meine Wünsche erhören wirst; ich weiß es, o mein Gott, je mehr Du geben willst, um so mehr steigerst Du das Verlangen. Ich fühle in meinem Herzen unermessliche Wünsche, und mit Vertrauen bitte ich Dich, zu kommen und von meiner Seele Besitz zu ergreifen. Ach, ich kann die heilige Kommunion nicht so oft empfangen, wie ich es möchte, aber, Herr, bist Du nicht allmächtig? ... Bleibe in mir wie im Tabernakel, entferne Dich nie von Deiner kleinen Hostie ...

Ich möchte Dich trösten über die Undankbarkeit der Bösen, und ich flehe Dich an, nimm mir die Freiheit weg, Dir zu missfallen. Wenn ich zuweilen aus Schwachheit falle, so möge Dein göttlicher Blick mich sogleich reinigen, alle meine Unvollkommenheiten verzehren, dem Feuer gleich, das ein jegliches in sich selbst umwandelt ...

Ich danke Dir, o mein Gott, für alle Gnaden, die Du mir gewährt hast, ganz besonders dafür, dass Du mich durch die Feuerprobe des Leidens hindurchgehen ließest. Mit Freude werde ich Dich am Jüngsten Tag betrachten, wenn Du das Zepter des Kreuzes tragen wirst; da Du Dich gewürdigt hast, mir dieses so kostbare Kreuz als Anteil zu geben, hoffe ich, im Himmel Dir ähnlich zu sein und an meinem verklärten Leibe die geheiligten Wundmale Deines Leidens erglänzen zu sehen ...

Nach der Verbannung auf Erden hoffe ich, in der Heimat mich an Dir zu erfreuen, aber ich will keine Verdienste für den Himmel anhäufen, ich will einzig um Deiner Liebe willen arbeiten, in der alleinigen Absicht, Dich zu erfreuen, Dein Heiligstes Herz zu trösten und Seelen, die Dich ewig lieben werden, zu retten.

Am Abend dieses Lebens werde ich mit leeren Händen vor Dir erscheinen, denn ich bitte Dich nicht, Herr, meine Werke zu zählen. Alle unsere Gerechtigkeiten sind befleckt in Deinen Augen. Ich will mich also mit deiner eigenen Gerechtigkeit bekleiden und von Deiner Liebe den ewigen Besitz Deiner selbst empfangen. Ich will keinen anderen Thron und keine andere Krone als Dich, o mein Viel-Geliebter....

In Deinen Augen ist die Zeit nichts, ein einziger Tag ist wie tausend Jahre, Du kannst mich also in einem Augenblick vorbereiten, vor Dir zu erscheinen ...

Um in einem Akt vollkommener Liebe zu leben, weihe ich mich als Ganz-Brandopfer Deiner barmherzigen Liebe und bitte Dich, mich unablässig zu verzehren, die Ströme unendlicher Zärtlichkeit, die in Dir beschlossen sind, in meine Seele überfließen zu lassen, damit ich eine Märtyrin Deiner Liebe werde, o mein Gott ....

Möge dieses Martyrium, nachdem es mich vorbereitet hat, vor Dir zu erscheinen, mir endlich den Tod geben und meine Seele sich ohne Verzug aufschwingen in die ewige Umarmung Deiner barmherzigen Liebe...

Ich will, o mein Viel-Geliebter, mit jedem Schlage meines Herzens Dir diese Weihe erneuern unzählige Male, bis dass ich, wenn die Schatten schwanden, Dir in einem ewigen Angesicht-zu-Angesicht meine Liebe beteuern darf.

 

(Marie, Francoise, Thérèse vom Kinde Jesus und vom heiligen Antlitz rel. carm. ind.; Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit am 09. Juni im Jahre des Heils 1895 )

 

„Die vielen Beschäftigungen führen oft
zur 'Härte des Herzens'“:
Benedikt XVI. unterstreicht den Vorrang der Innerlichkeit

Angelus-Gebet in Castel Gandolfo, 20. August 2006 (ZENIT.org).- Am Sonntag, dem Gedenktag des heiligen Bernhard von Clairvaux (1091-1153), ermutigte Papst Benedikt die Gläubigen, sich immer wieder neu um die richtige Balance zwischen Kontemplation und Tätigkeit zu bemühen.

Das Leben des „großen Kirchenlehrers“, den die katholische Kirche jedes Jahr am 20. August verehrt, zeuge von Schweigen und Kontemplation, zugleich aber auch von einer „intensiven apostolischen Tätigkeit“, erklärte der Heilige Vater. Und Vorbild sei er uns nicht zuletzt in der Bemühung, das eigene Temperament zu zügeln. „Gleiches gilt für die Demut, mit der er seine Grenzen und Mängel zu erkennen verstand“, ergänzte Benedikt XVI., als er vor dem sonntäglichen Angelus-Gebet in Castel Gandolfo, seiner Sommerresidenz im Süden Roms, zu Tausenden von Pilgern sprach.

Der Papst würdigte zunächst den klaren Stil, mit dem der Heilige seinen Zuhörern einst die Glaubenswahrheiten nahe gebracht hatte und in dem seine tiefe Innerlichkeit durchscheine, sein unerschütterliches Bewusstsein dessen, dass das Heil aller Menschen darin besteht, „an der göttlichen, uns zur Gänze im gekreuzigten und auferstandenen Christus offenbarten Liebe festzuhalten“.

Benedikt XVI. rief vor allem Bernhards Schrift „De consideratione“ („Über die Betrachtung“) in Erinnerung: „In diesem sehr persönlich gehaltenen Buch ist das dominierende Thema die Bedeutung der inneren Sammlung, die – und das sagt er einem Papst! – ein wesentliches Element der Frömmigkeit ist. Man muss sich vor der Gefahr einer übertriebenen Aktivität in Acht nehmen, merkt der Heilige an – unabhängig davon, welche Lebensumstände herrschen und welches Amt man ausübt. Denn – so sagt er dem damaligen Papst, den Päpsten aller Zeiten und auch uns allen – die vielen Beschäftigungen führen oft zur 'Härte des Herzens' und sind 'nichts anderes als Leiden des Geistes, Verirrung der Intelligenz, Verschwendung der Gnade'.“ Diese Gefahren einer oberflächlichen Betriebsamkeit gelte es abzuwehren, denn sie führten den Menschen dazu, sich aufzureiben und sich schließlich zu verlieren. In diesem Zusammenhang zitierte der Bischof von Rom folgendes Wort des chronologisch betrachtet letzten Kirchenlehrers: „Ja, so weit können dich diese verdammten Tätigkeiten mit sich reißen, wenn du fortfährst, dich in ihnen zu verlieren. So bleibt dir nichts von dir selbst.“

Dieser „Aufruf zum Vorrang des Gebets“ sei gerade heute höchst aktuell, führte der Heilige Vater aus, der den heiligen Bernhard abschließend darum bat, für alle die Gnade zu erlangen, seinem Rat nachzukommen. Die Jungfrau Maria stelle beim Unterfangen, die richtigen Prioritäten zu setzen, eine große Hilfe dar, weil sie uns wie der Stern, der den Seefahrern leuchtet, immerfort helfe, nicht vom rechten Weg abzukommen. 

 

Schattenbildung in der ausgesetzten Hostie

In der während der Anbetung bei den Gebetstreffen ausgesetzten Hostie zeigt sich, wenn die Monstranz auf dem vorderen Altar steht, regelmäßig eine schwache Schattenbildung (Dreieck mit einem kleinen hellen Punkt an der Dreieckspitze), die als schemenhafte Darstellung des Prager Jesuleins interpretiert werden könnte. Wir möchten darauf hinweisen, dass diese regelmäßige Schattenbildung alleine aus der Altarbeleuchtung resultiert und dementsprechend nicht mit den Erscheinungen des Jesuskindes bzw. der Gottesmutter in bzw. vor der ausgesetzten Hostie zu tun hat, die bei einzelnen Gebetstreffen von verschiedenen Betern wahrgenommen wurden.

 

Dringender Gebetsaufruf

Der Himmel wünscht dringend in Sievernich ein Geistliches Zentrum und einen Immaculatabrunnen zur Milderung der leiden. Die Verwirklichung dieser Pläne des Himmels ist ganz sicher auch abhängig von unserem Gebet. Bitte beten Sie viel, dass sich der Wille des Himmels für Sievernich gegen alle Widerstände zum Heile der Menschen durchsetzen möge. Das gläubige Gebet ist eine gewaltige Macht, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Vergessen Sie bitte auch nicht, für Weihbischof Dr. Bündgens zu beten.