Informationsblatt der Blauen Gebetsoase
in Sievernich
Geistlicher Impuls
Gedanken zum Weihnachtsfest
Weihnachten ...
ist eigentlich eine sehr kritische Zeit.
Da wird uns in besonderer Weise drückend bewusst,
was alles nicht in Ordnung ist in unserer
Welt. Da spüren wir besonders schmerzlich, wenn
Menschen in Feindschaft leben, da spüren Menschen
schmerzlicher als sonst ihre Einsamkeit oder
ihr Alleinsein, ihre Krankheit oder Armut, den Unfrieden
oder die auch die Zerrissenheit der eigenen
Familie.
Wenn wir das alles so bedenken, könnte durchaus
die Frage aufkommen: Wie kann man Weihnachten
feiern auf diesem bedrängenden Hintergrund unseres
Lebens und unserer Welt? Auf diese Frage gibt
es nur eine Antwort: Gott kommt nicht als Mensch in
unsere Welt, weil sie so schön und friedfertig ist.
Gott wird ein Mensch unter denen, die in Finsternis
und Todesschatten leben, die sich sehnen nach
Licht und Frieden, nach menschlicher Wärme und
Nähe. Gott wird ein Mensch, damit wir lernen, selber
Menschen zu werden, die anderen zum Leben verhelfen.
Zu Weihnachten geht es letztlich sehr einfach zu:
Der für uns unbegreifliche Gott wird ein Kind. Das
haben wir uns nicht selber so ausgedacht, das hat
Gott so für gut gehalten. Er hat darin den Weg gesehen,
sich dem Menschen verständlich zu machen.
Und noch viel mehr: Auf diesem Weg will Gott jedem
Menschen ganz persönlich begegnen. Es gilt,
was Angelus Silesius einst geschrieben hat: "Und
wäre Jesus tausend Mal in Bethlehem geboren,
aber nicht in dir, du wärst doch ewiglich verloren."
Weihnachten will nicht eine Ansammlung von frommen
Liedern und Ritualen, von Gefühlen und Geschenken
sein, sondern von Begegnung. Mensch
und Gott finden zusammen. Der Mensch lernt sich
selbst wieder besser kennen und schätzen, weil
Gott zum Menschen kommt und ihn annimmt mit
seinem ganzen Leben, mit allem Leid und aller
Freude, mit allem Gelingen und Versagen. In diesem
Jesuskind in der Krippe ist der wahre Friede
auf die Erde herabgekommen - und dieser will unsere
Herzen erreichen. Mit der Geburt Gottes als
Mensch in seinem geliebten Sohn begegnet er uns
nunmehr auf Augenhöhe. Wir brauchen ihn nicht
mehr suchend und verzweifelnd irgendwo in den
Himmeln zu suchen, sondern können ihm nun Auge
in Auge gegenüberstehen. Nicht weil wir groß sind,
sondern weil Gott sich in seiner Menschwerdung
derart klein macht, ist es dem Menschen seit der
Weihnachtsnacht möglich, dem Allmächtigen in
seiner frei gewählten Ohnmacht als neugeborenes
Kind geradewegs ins Gesicht zu schauen, gleich wie
es die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland
anbetend taten.
Ein weiser Rabbi wurde von seinem Schüler einmal
gefragt, warum wir Menschen uns so schwer damit
tun, Gott zu sehen. Seine tiefsinnige Antwort lautete:
„Weil wir verlernt haben, uns nach Gott zu bücken.“
Mit der Geburt Jesu Christi ändert sich schlagartig
die Blickrichtung. Es gilt nicht mehr die bisherige
Vorstellung von unten und oben, sondern von gleich
zu gleich, auch wenn wir nie vergessen dürfen, dass
der unendlich Abstand zwischen Gott und Mensch
immer bestehen bleiben wird. Wir können nicht Götter
werden, Gott aber kann und will Mensch werden.
Gott ist sich nicht zu schade, sich mit uns auf eine
Stufe zu stellen. Dies tut er nicht im Sinne einer gut
gemeinten, symbolischen Handlung, sondern aus
unstillbarer Sehnsucht nach dem Menschen. Gott
macht ernst mit seinem Menschsein, koste es, was
es wolle, und sei es 33 Jahre später bis zur letzten
Konsequenz am Kreuz.
Ich lade Sie herzlich ein, in dieser Advents- und
Weihnachtszeit bewusst Begegnung zu suchen, mit
IHM, miteinander, mit der Gemeinde. Feiern wir das
Fest der Begegnung miteinander.
Ihnen und Ihren Familien wünsche ich von Herzen
eine gesegnete Adventszeit und ein frohes und gesegnetes
Weihnachtsfest.
Möge die Friedensbotschaft des Kindes in der Krippe
im Neuen Jahr 2010 unsere Herzen erfüllen.
Ihr
Frank Aumüller
Wallfahrtspfarrer in Marienthal, Westerwald
Das Jahr 2010 naht und gibt Anlass 10 Jahre
zurückzuschauen und wiederholt die Worte des
verstorbenen Papstes Johannes Pauls II. in Erinnerung
zu rufen, der Wesentliches für die Kirche
und für unseren Glauben in der großen Verkündigungsbulle
des großen Jubliäums des Jahres
2000 „Incarnationis mysterium“ gesagt hat.
Hier einige Auszüge aus dieser Verkündigungsbulle
(vollständiger Text unter www.vatican.va):
„1. Den Blick fest auf das Geheimnis der Menschwerdung
des Gottessohnes gerichtet, schickt sich die Kirche
an, die Schwelle des dritten Jahrtausends zu überschreiten.
Wie nie zuvor empfinden wir es in diesem
Augenblick als unsere Pflicht und Schuldigkeit, uns das
Lob- und Danklied des Apostels zu eigen zu machen:
»Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus
Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes
gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus
im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der
Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig
leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im voraus dazu
bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen.
[...] Er hat uns das Geheimnis seines Willens
kundgetan, wie er es gnädig im voraus bestimmt hat:
Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen,
in Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel
und auf Erden ist« (Eph 1, 3-5.9-10).
Aus diesen Worten geht klar hervor, daß die Heilsgeschichte
in Jesus Christus ihren Höhepunkt und letzten
Sinn findet. In ihm haben wir alle »Gnade über Gnade«
(Joh 1, 16) empfangen; so wurde es uns gewährt, mit
dem Vater versöhnt zu werden (vgl. Röm 5, 10; 2 Kor
5, 18).
Die Geburt Jesu in Betlehem ist kein Ereignis, das sich
in die Vergangenheit verbannen ließe. Denn vor ihm
steht die ganze Menschheitsgeschichte: unsere Gegenwart
und die Zukunft der Welt werden von seinem
Dasein erleuchtet. Er ist »der Lebendige« (Offb 1, 18),
»der ist und war und der kommt« (Offb 1, 4). Vor ihm
muß jeder im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
sein Knie beugen, und jeder Mund muß bekennen, daß
er der Herr ist (vgl. Phil 2, 10-11). Durch die Begegnung
mit Christus entdeckt jeder Mensch das Geheimnis
seines eigenen Lebens.
Jesus ist die wahre Neuheit, die jede Erwartung der
Menschheit übersteigt. Er wird es durch die aufeinanderfolgenden
Geschichtsepochen hindurch für immer
bleiben. Die Menschwerdung des Gottessohnes und
das Heil, das er durch seinen Tod und seine Auferstehung
gewirkt hat, sind daher das eigentliche Kriterium
für die Beurteilung der zeitlichen Wirklichkeit und jedes
Vorhabens, das sich zum Ziel setzt, das Leben des
Menschen immer menschlicher zu machen.
3. In diesen Jahren der unmittelbaren Vorbereitung auf
das Jubeljahr bereiten sich in Übereinstimmung mit
dem, was ich in meinem Schreiben Tertio millennio
adveniente geschrieben habe, die Ortskirchen durch
Gebet, Katechese und Einsatz in den verschiedenen
Formen der Seelsorge auf diesen Termin vor, der die
gesamte Kirche in eine neue Zeit der Gnade und Sendung
hineinführt. Das Näherrücken des Jubiläums ruft
zudem wachsendes Interesse bei denjenigen hervor,
die nach einem geeigneten Zeichen suchen, das ihnen
hilft, die Spuren der Gegenwart Gottes in unserer Zeit
zu erkennen.
Die Vorbereitungsjahre auf das Große Jubeljahr wurden
unter das Zeichen der Heiligsten Dreifaltigkeit
gestellt: durch Christus — im Heiligen Geist — zu Gott
Vater. Das Geheimnis der Dreifaltigkeit ist der Ursprung
des Glaubensweges und sein letztes Ziel, wenn
unsere Augen endlich auf ewig das Antlitz Gottes
schauen werden. Während wir die Menschwerdung
Gottes feiern, heften wir den Blick unverwandt auf das
Geheimnis der Dreifaltigkeit. Jesus von Nazaret, der
Gott geoffenbart hat, hat den im Herzen jedes Menschen
verborgenen Wunsch nach Gotteserkenntnis
erfüllt. Was die Schöpfung wie ein Siegel bewahrte,
das ihr von Gottes Schöpferhand eingeprägt worden
war, und was die Propheten des Alten Testaments als
Verheißung angekündigt hatten, das tritt in der Offenbarung
Christi endgültig in Erscheinung.
Jesus enthüllt das Antlitz Gottes, des Vaters »voll
Erbarmen und Mitleid« (Jak 5, 11), und macht mit der
Aussendung des Heiligen Geistes das dreifaltige Geheimnis
der Liebe offenbar. Es ist der Geist Christi, der
in der Kirche und in der Geschichte wirkt: auf ihn muß
man unablässig hören, um die Zeichen der neuen Zeit
zu erkennen und im Herzen der Gläubigen die Erwartung
der Wiederkunft des verherrlichten Herrn immer
lebendiger zu machen. Das Heilige Jahr wird daher ein
einziger, ununterbrochener Lobgesang auf die Dreifaltigkeit,
auf den Allerhöchsten, sein müssen. Zu Hilfe
kommen uns dabei die poetischen Worte des hl. Kirchenlehrers
Gregor von Nazianz:
König des Universums.
Ehre sei dem Geist,
lobenswürdig und allheilig.
Die Dreifaltigkeit ist ein einziger Gott,
der alles schuf und ausfüllte:
den Himmel mit himmlischen Wesen
und die Erde mit irdischen.
Das Meer, die Flüsse und die Quellen
füllte er mit Wasserpflanzen,
während er alles mit seinem Geist belebte,
auf daß jede Kreatur
ihren weisen Schöpfer preise,
den einzigen Grund des Lebens
und Fortbestehens.
Mehr als jedes andere verherrliche
das vernunftbegabte Geschöpf ihn stets
als großen König und gütigen Vater«.“