Informationsblatt der Blauen Gebetsoase

in Sievernich

 Dezember 2009

 

Geistlicher Impuls

Gedanken zum Weihnachtsfest

Weihnachten ...
ist eigentlich eine sehr kritische Zeit. Da wird uns in besonderer Weise drückend bewusst, was alles nicht in Ordnung ist in unserer Welt. Da spüren wir besonders schmerzlich, wenn Menschen in Feindschaft leben, da spüren Menschen schmerzlicher als sonst ihre Einsamkeit oder ihr Alleinsein, ihre Krankheit oder Armut, den Unfrieden oder die auch die Zerrissenheit der eigenen Familie.

Wenn wir das alles so bedenken, könnte durchaus die Frage aufkommen: Wie kann man Weihnachten feiern auf diesem bedrängenden Hintergrund unseres Lebens und unserer Welt? Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: Gott kommt nicht als Mensch in unsere Welt, weil sie so schön und friedfertig ist. Gott wird ein Mensch unter denen, die in Finsternis und Todesschatten leben, die sich sehnen nach Licht und Frieden, nach menschlicher Wärme und Nähe. Gott wird ein Mensch, damit wir lernen, selber Menschen zu werden, die anderen zum Leben verhelfen.

Zu Weihnachten geht es letztlich sehr einfach zu: Der für uns unbegreifliche Gott wird ein Kind. Das haben wir uns nicht selber so ausgedacht, das hat Gott so für gut gehalten. Er hat darin den Weg gesehen, sich dem Menschen verständlich zu machen. Und noch viel mehr: Auf diesem Weg will Gott jedem Menschen ganz persönlich begegnen. Es gilt, was Angelus Silesius einst geschrieben hat: "Und wäre Jesus tausend Mal in Bethlehem geboren, aber nicht in dir, du wärst doch ewiglich verloren."

Weihnachten will nicht eine Ansammlung von frommen Liedern und Ritualen, von Gefühlen und Geschenken sein, sondern von Begegnung. Mensch und Gott finden zusammen. Der Mensch lernt sich selbst wieder besser kennen und schätzen, weil Gott zum Menschen kommt und ihn annimmt mit seinem ganzen Leben, mit allem Leid und aller Freude, mit allem Gelingen und Versagen. In diesem Jesuskind in der Krippe ist der wahre Friede auf die Erde herabgekommen - und dieser will unsere Herzen erreichen. Mit der Geburt Gottes als Mensch in seinem geliebten Sohn begegnet er uns nunmehr auf Augenhöhe. Wir brauchen ihn nicht mehr suchend und verzweifelnd irgendwo in den Himmeln zu suchen, sondern können ihm nun Auge in Auge gegenüberstehen. Nicht weil wir groß sind, sondern weil Gott sich in seiner Menschwerdung derart klein macht, ist es dem Menschen seit der Weihnachtsnacht möglich, dem Allmächtigen in seiner frei gewählten Ohnmacht als neugeborenes Kind geradewegs ins Gesicht zu schauen, gleich wie es die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland anbetend taten.

Ein weiser Rabbi wurde von seinem Schüler einmal gefragt, warum wir Menschen uns so schwer damit tun, Gott zu sehen. Seine tiefsinnige Antwort lautete: „Weil wir verlernt haben, uns nach Gott zu bücken.“ Mit der Geburt Jesu Christi ändert sich schlagartig die Blickrichtung. Es gilt nicht mehr die bisherige Vorstellung von unten und oben, sondern von gleich zu gleich, auch wenn wir nie vergessen dürfen, dass der unendlich Abstand zwischen Gott und Mensch immer bestehen bleiben wird. Wir können nicht Götter werden, Gott aber kann und will Mensch werden. Gott ist sich nicht zu schade, sich mit uns auf eine Stufe zu stellen. Dies tut er nicht im Sinne einer gut gemeinten, symbolischen Handlung, sondern aus unstillbarer Sehnsucht nach dem Menschen. Gott macht ernst mit seinem Menschsein, koste es, was es wolle, und sei es 33 Jahre später bis zur letzten Konsequenz am Kreuz.

Ich lade Sie herzlich ein, in dieser Advents- und Weihnachtszeit bewusst Begegnung zu suchen, mit IHM, miteinander, mit der Gemeinde. Feiern wir das Fest der Begegnung miteinander.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich von Herzen eine gesegnete Adventszeit und ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Möge die Friedensbotschaft des Kindes in der Krippe im Neuen Jahr 2010 unsere Herzen erfüllen.

Ihr

Frank Aumüller

Wallfahrtspfarrer in Marienthal, Westerwald

Das Jahr 2010 naht und gibt Anlass 10 Jahre zurückzuschauen und wiederholt die Worte des verstorbenen Papstes Johannes Pauls II. in Erinnerung zu rufen, der Wesentliches für die Kirche und für unseren Glauben in der großen Verkündigungsbulle des großen Jubliäums des Jahres 2000 „Incarnationis mysterium“ gesagt hat. Hier einige Auszüge aus dieser Verkündigungsbulle (vollständiger Text unter www.vatican.va):

„1. Den Blick fest auf das Geheimnis der Menschwerdung des Gottessohnes gerichtet, schickt sich die Kirche an, die Schwelle des dritten Jahrtausends zu überschreiten. Wie nie zuvor empfinden wir es in diesem Augenblick als unsere Pflicht und Schuldigkeit, uns das Lob- und Danklied des Apostels zu eigen zu machen: »Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen. [...] Er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, wie er es gnädig im voraus bestimmt hat: Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, in Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist« (Eph 1, 3-5.9-10).

Aus diesen Worten geht klar hervor, daß die Heilsgeschichte in Jesus Christus ihren Höhepunkt und letzten Sinn findet. In ihm haben wir alle »Gnade über Gnade« (Joh 1, 16) empfangen; so wurde es uns gewährt, mit dem Vater versöhnt zu werden (vgl. Röm 5, 10; 2 Kor 5, 18).

Die Geburt Jesu in Betlehem ist kein Ereignis, das sich in die Vergangenheit verbannen ließe. Denn vor ihm steht die ganze Menschheitsgeschichte: unsere Gegenwart und die Zukunft der Welt werden von seinem Dasein erleuchtet. Er ist »der Lebendige« (Offb 1, 18), »der ist und war und der kommt« (Offb 1, 4). Vor ihm muß jeder im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sein Knie beugen, und jeder Mund muß bekennen, daß er der Herr ist (vgl. Phil 2, 10-11). Durch die Begegnung mit Christus entdeckt jeder Mensch das Geheimnis seines eigenen Lebens.

Jesus ist die wahre Neuheit, die jede Erwartung der Menschheit übersteigt. Er wird es durch die aufeinanderfolgenden Geschichtsepochen hindurch für immer bleiben. Die Menschwerdung des Gottessohnes und das Heil, das er durch seinen Tod und seine Auferstehung gewirkt hat, sind daher das eigentliche Kriterium für die Beurteilung der zeitlichen Wirklichkeit und jedes Vorhabens, das sich zum Ziel setzt, das Leben des Menschen immer menschlicher zu machen.

3. In diesen Jahren der unmittelbaren Vorbereitung auf das Jubeljahr bereiten sich in Übereinstimmung mit dem, was ich in meinem Schreiben Tertio millennio adveniente geschrieben habe, die Ortskirchen durch Gebet, Katechese und Einsatz in den verschiedenen Formen der Seelsorge auf diesen Termin vor, der die gesamte Kirche in eine neue Zeit der Gnade und Sendung hineinführt. Das Näherrücken des Jubiläums ruft zudem wachsendes Interesse bei denjenigen hervor, die nach einem geeigneten Zeichen suchen, das ihnen hilft, die Spuren der Gegenwart Gottes in unserer Zeit zu erkennen.

Die Vorbereitungsjahre auf das Große Jubeljahr wurden unter das Zeichen der Heiligsten Dreifaltigkeit gestellt: durch Christus — im Heiligen Geist — zu Gott Vater. Das Geheimnis der Dreifaltigkeit ist der Ursprung des Glaubensweges und sein letztes Ziel, wenn unsere Augen endlich auf ewig das Antlitz Gottes schauen werden. Während wir die Menschwerdung Gottes feiern, heften wir den Blick unverwandt auf das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Jesus von Nazaret, der Gott geoffenbart hat, hat den im Herzen jedes Menschen verborgenen Wunsch nach Gotteserkenntnis erfüllt. Was die Schöpfung wie ein Siegel bewahrte, das ihr von Gottes Schöpferhand eingeprägt worden war, und was die Propheten des Alten Testaments als Verheißung angekündigt hatten, das tritt in der Offenbarung Christi endgültig in Erscheinung.

Jesus enthüllt das Antlitz Gottes, des Vaters »voll Erbarmen und Mitleid« (Jak 5, 11), und macht mit der Aussendung des Heiligen Geistes das dreifaltige Geheimnis der Liebe offenbar. Es ist der Geist Christi, der in der Kirche und in der Geschichte wirkt: auf ihn muß man unablässig hören, um die Zeichen der neuen Zeit zu erkennen und im Herzen der Gläubigen die Erwartung der Wiederkunft des verherrlichten Herrn immer lebendiger zu machen. Das Heilige Jahr wird daher ein einziger, ununterbrochener Lobgesang auf die Dreifaltigkeit, auf den Allerhöchsten, sein müssen. Zu Hilfe kommen uns dabei die poetischen Worte des hl. Kirchenlehrers Gregor von Nazianz:

»Ehre sei Gott dem Vater und dem Sohn,
König des Universums.
Ehre sei dem Geist,
lobenswürdig und allheilig.
Die Dreifaltigkeit ist ein einziger Gott,
der alles schuf und ausfüllte:
den Himmel mit himmlischen Wesen
und die Erde mit irdischen.
Das Meer, die Flüsse und die Quellen
füllte er mit Wasserpflanzen,
während er alles mit seinem Geist belebte,
auf daß jede Kreatur
ihren weisen Schöpfer preise,
den einzigen Grund des Lebens
und Fortbestehens.
Mehr als jedes andere verherrliche
das vernunftbegabte Geschöpf ihn stets
als großen König und gütigen Vater«.“